Food waste

Warum sich ein ehemaliger Banker gegen Lebensmittelverschwendung stark macht

Jahrelang jettete Salvatore Alaimo als Investmentbanker zwischen London und Mailand hin und her – bis er sich für eine völlig andere Karriere entschied. Er gründete ein Food-Start-up und stieß so auf einen Missstand, der ihn seither beschäftigt: Das immense Ausmaß der Lebensmittelverschwendung. Schnell wurde ihm klar, dass der Fehler in der Lagerhaltung steckt und eine verbesserte Bestandskontrolle der Schlüssel zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit in der Gastronomie ist. Salvatore Alaimo, Gründer und CEO von Storate, erzählt uns, wie er auf die Idee für sein Warenwirtschaftssystem kam und wie er sie umgesetzt hat. 

Frage (F): Salvatore, wie wird man vom Investmentbanker zum Unternehmer in der Lebensmittelbranche?

Salvatore (S): Ich komme aus Sizilien, die Liebe zu gutem Essen steckt mir wohl in den Genen. Ich bin durch und durch ein „Foodie“! 2015 bin ich meiner Leidenschaft gefolgt und habe gemeinsam mit zwei Freunden eine neue Geschäftsidee entwickelt. Ich war sofort Feuer und Flamme! Also haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und „Made al Sud“ gegründet.

F: Welche Idee steckt dahinter?

S: Wir haben kleine sizilianische Lebensmittel- und Getränkemanufakturen mit Restaurants zusammengebracht. Beide Branchen eint die Leidenschaft für hochwertige Produkte und eine lange Tradition. Mit Made al Sud haben wir eine Win-Win-Situation geschaffen: Die Produzenten erhöhen ihren Marktanteil. Und die Gastronomen wiederum erhalten einen neuen, exklusiven Zugang zu Lebensmitteln in Bio-Qualität. Spezialitäten in dieser Qualität und Einzigartigkeit sind im normalen Groß- und Einzelhandel nur schwer zu finden.

F: Das klingt nach einer sehr nachhaltig geprägten Idee – und eher nach dem Gegenteil von Lebensmittelverschwendung. Wie bist du dennoch darauf gekommen, dass es an Lösungen mangelt?

S: Aus unserem eigenen Bedarf: Wir haben viele der Produkte selber gelagert, darunter Käse und Fleisch, Olivenöl und Wein sowie verschiedene Mehl- und Pastasorten. Alles war zu 100 Prozent in Bio-Qualität und meist ohne Konservierungsstoffe. Die Haltbarkeit der Produkte war also immer ein Thema, das wir auf dem Schirm haben mussten. Wir haben die Bestände erst manuell verwaltet. Dann habe ich ein paar Warenwirtschaftssysteme ausprobiert, in der Hoffnung, dass sie uns die Lagerverwaltung vereinfachen. Sie haben mich dennoch zu viel Zeit gekostet. Schließlich haben wir jemanden eingestellt, der die ganze Datenerfassung übernommen hat. Ein enormer Aufwand.

F: Das klingt tatsächlich sehr zeitaufwändig. Zumal man ja in einem kleinen Start-up besonders effizient arbeiten und Zeitfresser vermeiden muss.

S: Auf jeden Fall. Und das ist nicht nur ein Problem in kleinen Unternehmen. Ich habe mich mit vielen Restaurantleitern, Küchenchefs und Einkäufern über diese Herausforderungen ausgetauscht. Und siehe da: Ich war nicht der einzige, der mit seiner Lagerverwaltung zu kämpfen hatte. Je tiefer ich in die Branche eintauchte, desto klarer wurde mir, wie viel Zeit, Geld und Lebensmittel verschwendet werden, wenn die Bestandsverwaltung nicht richtig funktioniert. Einige Gastronomen erzählten mir, dass sie durchaus ihre Verbrauchsdaten über einen bestimmten Zeitraum erfasst und analysiert haben. Dadurch haben sie festgestellt, dass zwischen 15 und 20 Prozent der Lebensmittel verschwendet werden. Dann wurden ein paar neue Richtlinien verabschiedet, und das war es dann auch. Ich befürchte allerdings, dass die meisten diese Zahlen überhaupt nicht verfolgen und sich des Problems einfach nicht bewusst sind.

Meiner Meinung nach braucht das Gastgewerbe eine unkomplizierte Bestandsverwaltung. So entstand die Idee zu Storate in meinem Kopf mit dem Ziel, die Lagerhaltung in der Gastronomie und in der Lebensmittelindustrie zu vereinfachen. 

F: Du arbeitest eng mit dem Venture Studio Next Big Thing AG (NBT) zusammen. Was reizt dich daran?

S: Die Entscheidung, als Entrepreneur in Residence bei NBT zu starten, war eine der besten meines Berufslebens. Als Gründer bist du oft allein auf weiter Flur. Aber gerade in der Anfangsphase ist der Austausch und der Zugang zu externem Know-how besonders wichtig. Ich war überwältigt von der spontanen Begeisterung des NBT-Teams, das sofort begriffen hat, dass meine Lösung nicht nur Abläufe verbessert, sondern auch einen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit leistet. Für mich ist dies die ideale Partnerschaft, die über das Wissen und die Ressourcen verfügt, um die Idee von Storate zum Leben zu erwecken.

F: Was sind die größten Herausforderungen bei der Entwicklung von Storate?

S: Es ist immer schwierig, Veränderungen umzusetzen und Innovationen zu etablieren. Das ist in der Gastro und allgemein im F&B-Bereich nicht anders als in anderen Branchen. Du begegnest erst mal einer Menge Skepsis.

Dann kam noch die Corona-Pandemie erschwerend hinzu. Die Gastronomen hatten anfangs wirklich alles andere im Kopf als in die Digitalisierung zu investieren. Das pendelte sich dann aber langsam ein, denn durch den Wegfall des normalen Tagesgeschäfts während der Lockdowns hatten sie dann doch mehr Zeit, um sich mit meiner Idee zu befassen. Für mich war es sehr wertvoll mit ihnen zu sprechen, denn sie sind es ja, die die Herausforderungen der Lagerverwaltung und Warenwirtschaft am besten kennen. 

F: Warum war dir das so wichtig?

S: Meiner Meinung nach gehört diese Art der Recherche an den Anfang jeder erfolgreichen Produktentwicklung.  Etwas anzunehmen ist das eine, aber was genau ist in der Praxis nötig? Manche Gründer vergessen, dass man mit dem potenziellen Kunden sprechen muss, um eine Lösung zu schaffen, die ihnen wirklich hilft. Sonst entwickelt man leicht am Anwender vorbei.

Ich hatte beispielsweise die Gelegenheit, ein großes Resort zu besuchen und deren Lagerverwaltungsprozesse hautnah kennenzulernen. Die Erfahrung hat mir wieder einmal gezeigt, wie komplex die Systeme und wie umfangreich die Anforderungen sind.

Nach all den Gesprächen bin ich überzeugt davon, dass unser Warenwirtschaftssystem die Arbeitsabläufe deutlich verbessern kann und dabei hilft, achtsamer mit den Lebensmitteln umzugehen.  Storate kann im Gastgewerbe wirklich etwas verändern. Zum Beispiel durch den schnellen Import aller Daten durch das simple Scannen eines Lieferscheins. Das Personal in der Gastro hat genug zu tun. 

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