„Essen ist mehr als nur ein Bedürfnis“: Mónica Kisic über ihre Leidenschaft für die Zero Waste Bewegung

Als leidenschaftliche Foodies nutzen wir jede Gelegenheit, mit anderen Gleichgesinnten zu sprechen. Diesmal ist es Mónica Kisic. Die gebürtige Peruanerin ist eine Verfechterin der Zero-Waste-Kultur. Wie es funktioniert, lebt sie mit ihrem eigenen Unternehmen Roots Radicals vor: Sie vermeidet nicht nur Lebensmittelabfälle, sondern zaubert aus geretteten Lebensmitteln und meist ungenutzten Bestandteilen von Obst und Gemüse köstliche neue Kreationen. Wir haben Mónica in Berlin getroffen – erfahren Sie mehr über ihre Beweggründe und Aktivitäten in unserem inspirierenden Interview!

Gründerin Mónica Kisic

Salvatore Alaimo (SA): Mónica, du treibst die Zero-Waste-Bewegung vorab. Was treibt dich an?

Mónica Kisic (MK): Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Kreislaufwirtschaft die beste Lösung für unsere Umweltprobleme ist. Deshalb möchte ich mehr Menschen dafür begeistern und dazu motivieren, ihre Konsumgewohnheiten zu verändern. Als Foodie beginne ich hier bei dem, was mir besonders am Herzen liegt: Dem Essen.

Essen ist mehr als nur ein Bedürfnis. Es gibt uns Kraft und Energie und ist Teil unserer Kultur und unserer Gemeinschaft. Doch ich habe das Gefühl, dass für viele Menschen die Bindung zum Essen und zu seinen Bestandteilen verloren gegangen ist. Das zeigt sich im Konsum, und das zeigt sich auch in den erschreckenden Mengen an Lebensmitteln, die verschwendet werden. Daran will ich etwas ändern.

Mein Wunsch ist es, andere zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln zu motivieren. Ich zeige ihnen, wie sie aus Resten und sogar aus vermeintlichen Abfällen köstliche und bisweilen überraschende Speisen zubereiten können. Dadurch kann jeder den Wandel zur Kreislaufgesellschaft aktiv unterstützen.

​​SA: 2019 hast Du gemeinsam mit Deinem Bruder Nicolás Roots Radicals gegründet. Was macht Ihr genau?

MK: Wir retten Lebensmittel und bereiten daraus abfallfreie, haltbare Produkte zu. Dazu entwickeln wir ständig neue Rezepte, um auch Nebenprodukte wie z.B. Blumenkohlblätter, Apfelkerne und Schalen zu verwenden. Es ist unglaublich, wie viel Geschmack darin steckt! Ob Saucen, Suppen, Essige, Gewürze oder Fermentiertes wie Kimchi – die Vielfalt ist riesig, und wir nutzen das volle Potenzial des Obstes oder Gemüses.

Darüber hinaus geben wir unser Wissen auch weiter. Wir veranstalten regelmäßig Workshops, halten Vorträge und engagieren uns in der Zero-Waste-Szene. So lernen auch andere, Abfälle zu reduzieren und als fruchtbare Inspirationsquelle neu zu begreifen. Wir freuen uns über eine wachsende Community.

SA: Fermentieren ist im Moment ja ein echtes Trendthema. Wie hast Du das für Dich entdeckt?

MK: Ich habe einen wissenschaftlichen Hintergrund: Ich habe einen Doktortitel in Molekularbiologie. Allein schon deshalb faszinieren mich chemische Prozesse. Und nichts anderes ist Fermentierung.

Abgesehen davon ist Fermentieren eine wunderbare Art und Weise, um Lebensmittel haltbar zu machen. Tradition mit Zeitgeist!

SA: Woher nimmst Du Deine Inspiration?

MK: Aus den Produkten und aus meiner Neugierde und Experimentierfreude. Ich komme aus Peru und bin viel gereist, habe in vielen Küchen am Herd gestanden und mich in unterschiedlichen Bereichen fortgebildet. All das inspiriert mich, und ich liebe es, Aromen zu kombinieren und dadurch neue Geschmäcker zu kreieren. Ich würde unsere Produkte also als saisonal, regional und multikulturell bezeichnen – mit einer großen Portion Fürsorge, Zeit und Liebe.

SA: Wie kamst Du auf die Idee für Roots Radicals?

MK: Im Anschluss an meine wissenschaftliche Ausbildung habe ich mich aufs professionelle Kochen verlegt. In dem Zusammenhang beschäftigte ich mich im Rahmen meiner Masterarbeit mit dem Thema Brot und arbeitete parallel als Köchin. Dabei fiel mir auf, wie unglaublich viele Lebensmittel ungenutzt im Müll landeten. Das hat mich regelrecht schockiert. Mir wurde klar, dass ich etwas dagegen tun muss. In dem Moment war die Idee zu Roots Radicals geboren. So viele Lebensmittel können durch die Kombination aus traditionellen und neuen Zubereitungen gerettet und haltbar gemacht werden. 

Einblicke in ein Roots Radicals Workshop

Wussten Sie, dass unglaubliche 15 Prozent aller Lebensmittel auf Mülldeponien aus Restaurants stammen? Erfahren Sie mehr darüber und ändern Sie etwas!

SA: Woher bekommt Ihr Eure Lebensmittel?

MK: Wir haben verschiedene Lieferanten, die uns mit Produkten aus ganz unterschiedlichen Stadien der Wertschöpfungskette versorgen. Von Querfeld bekommen wir zum Beispiel Obst und Gemüse in Bio-Qualität von Bauernhöfen, das aber nicht den Schönheitsstandards der Supermärkte entspricht. SPRK.Global versorgt uns mit Obst-  und Gemüsesorten, die hauptsächlich vom Ende der Lieferkette kommen, da sind dann auch mal nicht-regionale Produkte dabei. Mit dem Supercoop-Supermarkt hier in Berlin arbeiten wir schon seit  Anfang an eng zusammen. Hier zeigt sich auch der Kreislaufgedanke sehr schön: wir bekommen deren unverkauftes Brot, machen daraus besondere Semmelbrösel und bringen diese dort dann wieder ins Regal.

Bisweilen haben wir auch exotische Zutaten. Dafür sorgt Gebana als Lieferant von Bio-Lebensmitteln aus dem globalen fairem Handel, die eng direkt mit Bauern z.B. in Brasilien, Togo, Tunesien, Burkina Faso oder Palästina kooperieren. Insgesamt werden unsere Produkte zu 40 bis 90 Prozent aus geretteten Lebensmitteln hergestellt.

SA: Wo kann man Eure Produkte kaufen?

MK: Wer in Berlin lebt, kann uns samstags auf dem Wochenmarkt in der Markthalle Neun besuchen. Neben Supercoop haben auch andere Geschäfte uns im Sortiment, bisher insgesamt 16 in Berlin. 

 

Bleiben Sie dran für Teil 2 des Interviews!

Das Team 

Wenn Sie auf Roots Radicals-Shopping Tour durch Berlin gehen: Besuchen Sie uns gern auch in unserem Büro! Wir freuen uns über den Austausch!  

Für alle, die nicht in Berlin wohnen: Roots Radicals hat auch einen Online-Shop– und wir zeigen Ihnen gerne unsere Lösung gegen Lebensmittelverschwendung in einer Online-Demo.  

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